Natur und Landschaft

Verändertes Landschaftsbild

Die Gewinnung von Kies und Sand stellt immer einen massiven Eingriff in die gewohnte Landschaft dar. So wird es auch im Bereich der Reeser Welle sein. Auf den ersten Blick präsentiert sich ein Kiessee deshalb als neues und daher fremdes Element in der Landschaft.

Aufgrund der vorgesehenen Gestaltung der Seeufer und des unmittelbaren Umfeldes gewinnt der Landschaftsraum rund um den neuen Kiessee aber langfristig, und er hebt die Ästhetik der Landschaft. Dafür gibt es am Niederrhein zahlreiche Beispiele. Die Firmen Hülskens und Holemans sind weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt für ihre Sorgfalt und ihr Engagement in puncto Rekultivierung.

Arten- und Biotopschutz durch Rekultivierung

Die neuen Kiesseen, die durch die Abbauarbeiten im Gebiet der Reeser Welle entstehen, werden nach Gesichtspunkten des Arten- und Biotopschutzes gestaltet. So ist im nördlich der Kreisstraße 18 gelegenen Teil der geplanten Abgrabung die Anlage größerer Flachwasserzonen geplant. Sie dienen der Entwicklung von Röhricht. Hier finden Enten, Rallen und spezialisierte Singvögel ihre Brutstätten. Die Uferbereiche sollen durch extensive Beweidung möglichst offen gehalten werden. Die dabei entstehenden Schlammflächen kommen rastenden Ufervögeln zu Gute.

Die Rekultivierung startet übrigens bereits während der Gewinnungsphase – Schritt für Schritt werden die Seeufer nach Plan modelliert. So können selbst während der Auskiesung schon Pionierhabitate für Flussregenpfeifer und Uferschwalben geschaffen werden. In einem späteren Schritt werden dann Brutflöße für Flussseeschwalben installiert.

Das Büro für Landschaftsplanung Böhling, das eine Umweltverträglichkeitsstudie durchgeführt und den landschaftspflegerischen Begleitplan erstellt hat, kommt zu folgendem Ergebnis: „Durch das geplante Abgrabungsvorhaben lassen sich Lebensraumverbesserungen für zahlreiche, gerade auch für das Vogelschutzgebiet ‚Unterer Niederrhein’ wertgebende Vogelarten erreichen.“

Im Fokus: Vogelschutz

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Entwicklungsmöglichkeiten für Vogelarten, denn das geplante Abgrabungsgebiet liegt vollständig im Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“. Vor diesem Hintergrund gehen mit der geplanten Abgrabung Reeser Welle zwei erhebliche Beeinträchtigungen einher:

Etwa hundert Hektar Äsungsfläche für arktische Wildgänse gehen verloren. Auch verlieren acht derzeit im Projektgebiet ansässige Kiebitz-Brutpaare ihren angestammten Raum. Beide Verluste werden ausgeglichen.

So wird im Nordwesten unmittelbar neben den neuen Kiesseen im Bereich „Puhleward“ eine zusammenhängende Ausgleichsfläche von ca. 15 Hektar geschaffen. Die hier geplante Bewirtschaftung von Grünland und die Herrichtung von Flutmulden kommen nicht nur den Lebensraumansprüchen von Kiebitzen entgegen, sondern von anderen Watvögeln wie dem Flussregenpfeifer, dem Austernfischer und der Waldschnepfe. Für die Wildgänse werden zusätzliche Flächen, die außerhalb des Vogelschutzgebietes liegen, bereitgestellt. Die Genehmigungsbehörde, also der Kreis Kleve, wird entscheiden, ob der angebotene Ausgleich ausreichend ist.

Erholung und Landschaftserleben

Ziel des landschaftspflegerischen Gesamtkonzeptes ist es, die neuen Kiesseen im Bereich der Reeser Welle für Wanderer und Radfahrer erlebbar zu gestalten. Die Seen sollen über weite Strecken entlang der Kreisstraße 18 offen einsehbar sein, man kann die Natur beobachten und den Blick auf die Seen und ihre Bewohner genießen. Die touristische Radroute „Rund ums Rheinland“ und der Radfernweg R17, die beide über die Kreisstraße 18 verlaufen, werden um eine Attraktion reicher.

 

>> Hintergrundinformation

  • Der Standort Reeser Welle ist im Regionalplan Düsseldorf vollständig als Raum für die „Sicherung und den Abbau oberflächennaher Bodenschätze“ vorgesehen.

  • Gleichzeitig ist das Vorland des Banndeichs – und damit auch der geplante Abgrabungsbereich – als Freiraum mit der Funktion „Schutz der Landschaft und landschaftsorientierte Erholung“ ausgewiesen.

  • Das Vorland des Sommerdeichs ist im Regionalplan überwiegend als Freiraum mit der Funktion „Schutz der Natur“ dargestellt.

  • Das geplante Abgrabungsgebiet liegt vollständig im Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“. Außerdem untersteht der gesamte Raum wasserseitig des Banndeichs dem Landschaftsschutz.