Schutz vor Hochwasser

Besondere Aufmerksamkeit gilt bei den Planungen des Abgrabungsprojektes Reeser Welle dem Hochwasserschutz und insbesondere der hydrogeologischen Situation der nahegelegenen Ortschaft Esserden.

Der Sommerdeich

Der Sommerdeich bleibt erhalten und wird nicht verändert. Dadurch wird der vorhandene Retentionsraum – also der Rückhalteraum für Hochwasser - nicht verringert. Vielmehr ergibt sich im Laufe der Abgrabung eine deutliche Vergrößerung des gesteuerten Rückhalteraumes: Denn der entstehende Kiessee kann eine erhebliche zusätzliche Menge Wasser aufnehmen als dies bisher der Fall ist.

Die Dichtschürze

Um die Ortslage Esserden vor zukünftigen Hochwässern zu schützen, soll im Zuge der Abgrabung an der Seeböschung vor Esserden eine Dichtschürze eingebaut werden. Es handelt sich dabei um eine unter- und oberhalb der Wasserlinie eingebrachte massive Abraumlehmschicht. Die Wasserdurchlässigkeit dieser Abraumlehmschicht ist mehr als 100-mal geringer als die der abgebaggerten Schicht aus Kies und Sand. Vereinfacht gesagt: 1.000 Meter Sickerstrecke im Kiessand können mit einer Dichtschürze durch zehn Meter Sickerstrecke im Auelehm ersetzt werden (vgl. Abb. unten).

Die Brunnengalerie

Bei der Herstellung der Dichtschürze im Nordteil der Reeser Welle wird es Zwischenphasen geben, bei denen temporär ein so genanntes „hydraulisches Fenster“ verbleibt, das heißt, dass es (unter Wasser) eine offene Kiesböschung gibt. Das liegt daran, dass der Aufbau der Dichtschürze quasi unmittelbar hinter dem eigentlichen Gewinnungsprozess her verläuft.

Wenn sich in einer solchen Phase ein extremes Hochwasser ereignet, wären in Esserden zeitweilige Anhebungen der Grundwasserstände von bis zu 60 Zentimetern zu erwarten. Um einer solchen Situation vorzubeugen, wird bereits vor Start der Abgrabungsarbeiten eine Brunnengalerie mit sechs Brunnen im Deichhinterland installiert. Über diese Brunnen kann überschüssiges Grundwasser im oben beschriebenen Fall abgepumpt werden.

Die Brunnen bestehen aus perforierten Rohren, in die bei Bedarf mobile Tauchpumpen abgesenkt werden. Die Rohre reichen durch die gesamte Kiessandschicht bis zum Tertiär. Es ist geplant, die Brunnengalerie auch nach Ende der Abgrabung dauerhaft zu belassen.

Gute Erfahrungen

Der Einbau einer Dichtschürze bei Esserden ist kein erstmaliges Experiment. Vielmehr liegen bei den Antragstellern umfangreiche Erfahrungen vor, auch unter den verschärften Bedingungen eines Bergsenkungsgebietes. Entlang des Rheins wenden wir dieses Verfahren seit Jahren an - unter der Qualitätsüberwachung von Gutachterbüros. Insbesondere die Linksniederrheinische Entwässerungsgenossenschaft (LINEG) hat mit den von uns vorgenommenen Maßnahmen sehr positive Erfahrungen gemacht. Im Bereich der Abgrabung Milchplatz (im Bereich Eversael) sind die notwendigen Sümpfungsmengen erheblich zurückgegangen. Hochwasserpegelspitzen im Hintergrund werden zeitlich gedämpft und in der Höhe reduziert.

Schematische Darstellung einer Dichtschürze
Schematische Darstellung einer Dichtschürze

Die Bodenverhältnisse

In Esserden bestehen bereits heute erhebliche Probleme mit dem Grundwasserstand bei steigenden und hohen Rheinpegelständen. Der Bau einer Dichtschürze soll hier Abhilfe schaffen.

Die Firmen Hülskens und Holemans haben die Bodenverhältnisse im Bereich der geplanten Dichtschürze durch eine Anzahl von Bohrungen aufgeklärt. Es zeigte sich eine Schicht von bis zu sieben Metern von lehmigem Abraum. Dies ist in der Regel ein Zeichen für das Vorhandensein eines verlandeten alten Rheinarms im Untergrund. Das könnte auch ein Grund für die heute auftretende Grundwasserproblematik in Esserden sein.